Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 25. 8.1999 BVerG 8 C 12/98

Das Urteil bemüht sich den Ländern einen großen Spielraum in der Gebührenwut zu geben. Allerdings hat es in den Fällen, wo das Grundgesetz Art. 13 (Unversehrtheit der Wohnung ) durch das BImschG eingeschränkt hat, die Gebührenwut der Länder eingeschränkt und abschließend behandelt. Z. B. im § 52 . Dieser sagt im Absatz 4 , dass die Überwachung der Feuerungsanlagen nur dann zu Kosten für den Betreiber  führen, wenn dieser die Anlage nicht ordnungsgemäß betrieben hat. Damit können die Länder nicht durch Verordnungen  in jedem Fall Gebühren erheben. Die KÜGebO ist also nur eine Preistabelle, die nur dann zur Wirkung kommt, wenn die Messungen des Fegers  zu Beanstandungen führen. Dieses Urteil, das eigentlich für genehmigungspflichtige Anlagen gilt, sagt in einem Umkehrschluss, dass die Erhebung der Fegergebühren, so wie sie praktiziert werden, illegal ist. 

 

Das Urteil ist schwer zu verstehen, daher noch ein erweiterter Kommentar zu diesem Urteil

Nr. 32

 

Ein Beschluss, mit dem gemäß § 130 a VwG0 über die Berufung entschieden wird, muss zwar keinen förmlichen Tatbestand, aber - sei es durch Bezugnahme, sei es durch Wiedergabe der wesentlichen Tatsachen im Rahmen der rechtlichen Ausführungen - ausreichende Feststellungen enthalten, die die tatsächliche Grundlage der Berufungsentscheidung für die Prozessbeteiligten und das Revisionsgericht hinreichend sicher kennzeichnen.

Die nach nordrhein-westfälischem Landesrecht vorgesehene Gebührenerhebung für die Entgegennahme und Prüfung einer Emissionserklärung gemäß § 27 Abs. 1 BImSchG wird durch die bundesrechtliche Kostenregelung in § 52 Abs. 4  BImSchG nicht ausgeschlossen.

§52 Abs.4 BImSchG regelt nicht die Erhebung von Verwaltungsgebühren.

Die Erhebung einer Verwaltungsgebühr für die Entgegennahme und Überprüfung einer Emissionserklärung gemäß § 27 Abs. 1 BImSchG ist mit bundesverfassungsrechtlichen Gebührengrundsätzen vereinbar.

 

GGArt.72Abs 1 ,Art .83; BImSchG § 27Abs.1, § 30, §52 Abs.1,2 und4;

VwG0 §  117 Abs.2 Ziff.4, § 130a

Urteil des 8. Senats vom 25. August 1999 - BVerwG 8 C 12.98

I. Verwaltungsgericht Arnsberg

II. Oberverwaltungsgericht Münster

,Die Klägerin übersandte an das beklagte staatliche Umweltamt Emissionserklärungen für von ihr betriebene immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftige Anlagen. Der Beklagte überprüfte die Erklärungen und setzte hierfür eine - nach Landesgebührenrecht vorgesehene - Gebühr in Höhe von 1400,- DM fest. Die dagegen gerichtete Klage hatte vor dem Verwaltungsgericht Erfolg. Auf die Berufung des Beklagten hat das Oberverwaltungsgericht die Klage mit Beschluss abgewiesen. Der Beschluss enthält keinen Tatbestand.

Die Revision der Klägerin blieb erfolglos.

 

Aus den Gründen:

Die Revision der Klägerin hat keinen Erfolg (§ 144 Abs. 2 VwG0). Der' angefochtene Beschluss des Oberverwaltungsgerichts verstößt nicht gegen Bundesrecht. Das Oberverwaltungsgericht hat auf die Berufung des Beklagten hin vielmehr ohne revisiblen Rechtsfehler das erstinstanzliche Urteil geändert und die Klage abgewiesen, weil die angefochtenen Gebührenbescheide rechtmäßig sind (§ 113 Abs. 1 Satz 1 VwG0).

A. Die Verfahrensrüge ist unbegründet. ...

Der angefochtene Beschluss verstößt nicht gegen § 117 Abs. 2 Nr. 4 VwGO. Ein förmlicher Tatbestand im Sinne eines gesondert herausgestellten Abschnitts ist bei derartigen Beschlüssen trotz ihrer urteilsersetzenden Funktion nicht erforderlich (vgl. zu Art. 2 § 5 Abs. 1 EntIG. Beschlüsse vom 9.Juni 1981 -BVerwG 7 B 121.81 - Buchholz 312 EntIG Nr. 19 S. 2 [3], vom 16. September 1981 - BVerwG 2CB 23.80 - Buchholz 312 EntIG Nr.23 S.9 und vom 25. August 1995 - BVerwG 8 B 105.95 - n. v.); allerdings muss ihnen die tatsächliche Grundlage, auf der die Berufungsentscheidung beruht, hinreichend verlässlich - sei es durch Bezugnahme auf den Tatbestand des erstinstanzlichen Urteils, sei es durch die Mitteilung der wesentlichen Tatsachen im Rahmen der rechtlichen Ausführungen - entnommen werden können. Der angefochtene Beschluss enthält durch seine Bezugnahme auf den Beschluss des Oberverwaltungsgerichts im Berufungszulassungsverfahren eine im vorliegenden, im wesentlichen unstreitigen Fall - noch - ausreichende Sachverhaltsdarstellung, die für die Prozessbeteiligten und das Revisionsgericht die tatsächliche Grundlage der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts noch hinreichend sicher kennzeichnet, Im vorliegenden Fall genügten, deshalb die durch die Bezugnahme auf den Zulassungsbeschluss und die Erwähnung der streitigen Bescheide festgestellten Tatsachen, dass die Klägerin genehmigungsbedürftige Anlagen betreibt, hierfür Emissionserklärungen vorgelegt hat, diese von der zuständigen Behörde entgegengenommen sowie geprüft worden sind und hierfür Verwaltungsgebühren auf landesrechtlicher Grundlage in bestimmter Höhe erhoben worden sind. Entgegen der Ansicht der Klägerin ist die Bezugnahme auf den Zulassungsbeschluss des Oberverwaltungsgerichts vom 25.November 1997 durch § 130 b VwG0 weder hinsichtlich der dortigen tatsächlichen Feststellungen noch hinsichtlich der rechtlichen Ausführungen ausgeschlossen. §130b VwG0 betrifft lediglich die Bezugnahme auf das angefochtene erstinstanzliche Urteil. Die Vorschrift schließt die zur Vermeidung von Wiederholungen seit jeher zulässige Bezugnahme auf schriftliche Dokumente, die den Beteiligten des Verfahrens bereits bekannt sind, eben sowenig aus wie § 117 Abs. 5 VwGO diese Möglichkeit für das erstinstanzliche Urteil in Frage stellt (Kopp/Schenke, VwGO, 11. Aufl., § 130 b Rdnr. 1 und § 117 Rdnr. 23; Beschluss vom 3. April 1990 - BVerwG 9 CB 5.90 - Buchholz 310 § 117 VwG0 Nr. 31 S. 8 [9])....

B. Die angefochtene Entscheidung steht mit materiellem Bundesrecht in Einklang (§ 137 Abs. 1 VwGO). Das Oberverwaltungsgericht nimmt entscheidungstragend an, die angefochtene Gebühr finde ihre Rechtsgrundlage in § 1 Abs. 1 und 2 GebG NW  i. V. m. § 1 AVwGebO und Tarifstelle 15a.2.13 d des Allgemeinen Gebührentarifs i. d. F. vom 30.Mai 1995 (GVNW S.568). Die angefochtene Entscheidung gründet sich damit auf irrevisibles Landesrecht. Dessen Auslegung und Anwendung kann als solche nicht Gegenstand der revisionsgerichtlichen Überprüfung sein. Bundesrechtliche Verstöße liegen entgegen der Ansicht der Revision nicht vor. Die Gebührenerhebung verletzt unter diesem Blickwinkel weder den Äquivalenzgrundsatz (1.), noch steht der landesrechtlichen Gebührenregelung eine abschließende und damit verdrängende (Art. 72 Abs. 1 GG) bundesrechtliche Kostenregelung durch § 52 Abs. 4 BImSchG entgegen (2.).

1. a) Das Äquivalenzprinzip, das sich nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und damit aus dem Rechtsstaatsprinzip ableitet (vgl. Urteil vom 14. April 1967 - BVerw.GE 26,305 [308 ff.]; BVerfGE 20,257 [270]: "Dem Begriff der Gebühr immanent"; offengelassen in BVerfGE 50, 217 [233]), besagt, dass die Leistung des Bürgers in Gestalt der Gebühr und die konkrete Leistung der Verwaltung nicht in einem gröblichen Missverhältnis, also der Wert der einen und der anderen Leistung nicht außer Verhältnis zueinander stehen dürfen. Ein solches grobes Missverhältnis lässt sich angesichts des Gebührenrahmens von 200 bis 800 DM bzw. angesichts der konkret geforderten Gebühr zwischen 200 und 500 DM je Prüfung nicht feststellen. Soweit die Klägerin in diesem Zusammenhang geltend macht, sie habe überhaupt keine behördliche Leistung erhalten, verkennt sie, dass es unter diesem Blickwinkel nicht auf einen ihr vermittelten konkreten Vorteil, sondern allein darauf ankommt, dass die Behörde - aufgrund einer individuell der Klägerin zurechenbaren Veranlassung - eine Leistung erbracht hat. Letzteres ist der Fall, weil die Behörde unstreitig die Emissionserklärungen auf Plausibilität und Vollständigkeit hin überprüft und mit den vorliegenden Genehmigungen verglichen hat. Der damit verbundene Personalaufwand wiegt zweifellos die erhobenen Teilbeträge zwischen 200 und 500 DM auf. Das zieht die Revision auch nicht in Zweifel.

b) Dass dem Gebührenschuldner aus der behördlichen Tätigkeit kein unmittelbarer, konkret bezifferbarer Wert im Sinne eines objektiven Nutzens zufließt, steht der Gebührenerhebung unter dem Aspekt des Äquivalenzprinzips nicht entgegen (Urteil vom 7. November 1980 - BVerwG 1 C 46.77 - Buchholz 401.8 Verwaltungsgebühren Nr. 10 S. 15 [18];  Wilke, Gebührenrecht und Grundgesetz, 1973, S. 74 f.); dementsprechend sind Gebühren zwar "häufig", aber nicht stets Gegenleistungen für behördliche Maßnahmen (vgl. BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des 1. Senats am 11. August 1998 - 1 BvR 1270/94 -DVBI. 1998, 1220 [1221]). Es ist deshalb nie in Zweifel gezogen worden, dass etwa für Verwaltungstätigkeiten im Zusammenhang mit belastenden Verwaltungsakten - z. B. Entziehung der Fahrerlaubnis (vgl. Urteil vom 28. November 1969 - BVerwGE 34, 248 [251]) - Gebühren erhoben werden dürfen, obwohl dem Gebührenschuldner ersichtlich durch die Verwaltungstätigkeit in diesen Fällen kein Vorteil zuwächst (vgl. Urteil vom 8. Dezember 1961 – BverwGE 13, 214 [219]).

c) Entgegen der Ansicht der Revision steht auch die - das Äquivalenzprinzip nur mittelbar berührende - Annahme des Oberverwaltungsgerichts, die Tätigkeit der Behörde sei in individuell zurechenbarer Weise von der Klägerin .veranlasst" worden, mit der höchstrichterlichen Rechtsprechung in Einklang. Das Bundesverwaltungsgericht hat in Ermangelung eines allgemeinen einheitlichen bundesrechtlichen Gebührenbegriffs (vgl. Beschluss vom 14. Februar 1977 - BVerwG 7 B 161.75 - Buchholz 401.9 Beiträge Nr. 9 S. 9; Urteil vom 14. April 1967 - BVerwGE 26, 305 [309]; BVerfGE 50, 217 [225f.]) die Grenzen der gesetzgeberischen Befugnis, Amtshandlungen einer Gebührenpflicht zu unterwerfen, in Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts  BVerfGE 50, 217 [226]) allein in den Merkmalen gesehen, "die als Ausfluss des allgemeinen Gleichheitsgrundsatzes sowie zur Wahrung der Steuergesetzgebungskompetenzen von Verfassungs wegen dem Gebührenbegriff immanent sind" (Urteil vom 7. November 1980, aaO, S. 17). Danach werden Gebühren allgemein dadurch gekennzeichnet, dass sie aus Anlass individuell zurechenbarer öffentlicher Leistungen dem Gebührenschuldner durch eine öffentlich-rechtliche Norm oder sonstige hoheitliche Maßnahme auferlegt werden und dazu bestimmt sind, in Anknüpfung an diese Leistung der Verwaltung deren Kosten ganz oder teilweise zu decken (ebenso BVerfG, Beschluss vom 11. August 1998, aaO). Voraussetzung ist danach aus der Sicht des Bundesrechts allein, dass zwischen der kostenverursachenden Leistung der Verwaltung und dem Gebührenschuldner eine besondere Beziehung besteht, die die Amtshandlung dem Gebührenschuldner individuell zuzurechnen gestattet; in der individuellen Zurechenbarkeit liegt die Rechtfertigung dafür, dass die Amtshandlung nicht aus allgemeinen Steuermitteln, sondern ganz oder teilweise zu Lasten des Gebührenschuldners über Sonderlasten finanziert wird (Urteil vom 7.November 1980, aa0, S. 17 f.; BVerf`GE 50, 217 [226]). Aus der Sicht des Bundesrechts ist es deshalb nicht zu beanstanden, wenn - wie hier - das Landesrecht in der Auslegung durch das Oberverwaltungsgericht als Veranlasser im gebührenrechtlichen Sinne nicht nur denjenigen erfasst, der die Amtshandlung willentlich herbeiführt, sondern auch denjenigen, in dessen Pflichtenkreis sie erfolgt (Urteil vorn 22.Oktober 1992 - BVerwG 3C 2.90 - Buchholz 401.8 Verwaltungsgebühren Nr. 29 S. 19). Die Entgegennahme und Kontrolle einer vom Anlagenbetreiber in Erfüllung einer gesetzlichen Pflicht vorgelegten Emissionserklärung gemäß S 27 Abs. 1 BImSchG auf ihre Vollständigkeit und Plausibilität hin ist aber noch dessen Pflichtenkreis zuzurechnen, zumal sie - anders als sonstige "anlasslose" Überwachungsmaßnahmen - an eine Handlung des Gebührenschuldners anknüpfen. Insoweit steht dem Gebührengesetzgeber - wie die Rechtsprechung stets betont hat (BVerfG, Beschluss vom 11. August 1998, aaO, S. 1221) - ein weiter Gestaltungsspielraum zu, welche individuell zurechenbaren Leistungen er einer Gebührenpflicht unterwerfen will und welche nicht.

d) Nach Maßgabe des Bundesrechts ebenfalls unerheblich wäre es, wenn die gebührenpflichtige Tätigkeit überwiegend im öffentlichen Interesse erfolgt sein sollte (Urteile vom 7. November 1980, aaO, S. 18, und vom 8. Dezember 1961 – BVerwGE 13, 214 [219]; BVerfG, Beschluss vom 11. August 1998, aaO, S. 1221). Viele gebührenpflichtige Handlungen erfolgen auch oder vorwiegend im öffentlichen Interesse (Wilke, aaO, S. 77). Der vorliegende Fall bietet angesichts der durch die gesetzliche Pflicht gemäß § 27 Abs. 1 BImSchG durch den Betrieb einer genehmigungsbedürftigen Anlage und durch die darauf (auch) bezogene Kontrollfunktion bewirkte Individualisierung der gebührenpflichtigen Verwaltungstätigkeit keinen Anlass, der Frage weiter nachzugehen, wenn der dem Steuerstaatsprinzip (vgl. Isensee, in: Festschrift für H. P. Ipsen, 1977, S.409ff.) möglicherweise zuwiderlaufende gebührenfinanzierte Dienstleistungsstaat" erreicht ist (vgl. Zugmaier, DVBl. 1998, 1221 [1222]). Das gleiche gilt für die Frage, ob auch ausschließlich im öffentlichen Interesse liegende Amtshandlungen einer Gebührenpflicht unterworfen werden dürfen (so Urteil vom 7. November 1980, aaO, S. 18; a. A. Zugmaier, aaO; Ronellenfitsch, VerwArch. Bd. 86 (1995),307 [324]). Denn die Prüfung der Emissionserklärung dient auch der unbeanstandeten Fortführung des genehmigungsbedürftigen Betriebs ohne zusätzliche Anordnungen oder Auflagen und liegt damit auch im Interesse des Anlagenbetreibers (vgl. Ziff. 9.2.1 des Runderlasses vom 18. März 1993 [MBI. NW S. 364] i. d. F. vom 22. September 1994 [MBI. NW S. 1330]; Feststellung der Übereinstimmung der Anlage mit den bestehenden Genehmigungen; vgl. auch § 3 Abs. 2 Satz 2 11. BImSchV).

c) Die Berufung der Klägerin auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 24. August 1990 - BVerwGE 85, 300 ff. - greift demgegenüber nicht durch. Das Bundesverwaltungsgericht hat dort lediglich die Problematik des verfassungsrechtlichen Bestimmtheitsgebots behandelt und die seinerzeit ohne speziellen gesetzlichen Gebührentatbestand allein auf der Grundlage der -zunächst nur die Schuldnerfrage regelnden - Vorschrift des Landesgebührenrechts erhobene Gebühr für eine Überwachungsmaßnahme nach dem Altölgesetz beanstandet. Von einem unbestimmten gesetzlichen Gebührentatbestand kann im vorliegenden Fall indessen keine Rede sein. Dementsprechend hat der Senat auch eine landesrechtlich vorgesehene Gebühr für die Besichtigung und Überwachung einer Apotheke (§ 64 AMG) unter Würdigung des Urteils vom 24. August 1990 für vereinbar mit Bundesrecht gehalten (Beschluss vom 21. August 1998 - BVerwG 8 B 115.98 - Buchholz 401.8 Verwaltungsgebühren Nr. 33 S. 2).

2. Der Gebührenerhebung auf landesrechtlicher Grundlage steht die bundesrechtliche Kostenregelung in § 52 Abs.4 BImSchG nicht entgegen. Diese Vorschrift entfaltet keine Sperrwirkung gegenüber dem Landesgebührengesetzgeber (Art. 72 Abs. 1 GG). Sie schließt auch im Rahmen des Gebots der Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung (vgl. BVerfGE 89, 106 ff. - Kommunale Verpackungssteuer -) die Gebührenerhebung auf landesrechtlicher Grundlage nicht aus.

a) Die Sperrwirkung durch § 52 BImSchG scheidet nicht bereits deshalb aus, weil Gebühren einer bundesrechtlichen Regelung von vornherein entzogen wären. Zwar führen die Länder das Bundesimmissionsschutzgesetz gemäß Art. 83 GG als eigene Angelegenheit aus. In einem solchen Fall ist die Regelung des Verwaltungsverfahrens einschließlich der Regelung des Verwaltungsgebührenrechts grundsätzlich Sache der Länder (BVerfGE 26, 281 [298]), soweit nicht ein Bundesgesetz mit Zustimmung des Bundesrats etwas anderes bestimmt (Art. 84 Abs. 1 GG). Eine solche andere Bestimmung könnte in § 52 BImSchG zu sehen sein und - im Wege der Annexkompetenz - zulässigerweise auch die Gebührenerhebung bundesrechtlich regeln.

b) Im Bereich der konkurrierenden Gesetzgebung haben die Länder gemäß Art. 72  Abs. 1 GG die Befugnis zur Gesetzgebung (nur), solange und soweit der Bund von seiner Gesetzgebungszuständigkeit nicht durch Gesetz Gebrauch gemacht hat. Eine - kompetenzgemäße-  bundesgesetzliche Regelung äußert gegenüber den Ländern Sperrwirkung; sie sind an einer sei es gleichlautenden, sei es abweichenden gesetzlichen Regelung gehindert. Für das Immissionsschutzrecht - und damit im Wege der Annexkompetenz auch für etwaige Gebührenregelungen in diesem Bereich - hat der Bundesgesetzgeber gemäß Art. 74 Nr. 24 GG die konkurrierende Gesetzgebungskompetenz. Der Erlass des Bundesimmissionsschutzgesetzes verdrängt landesrechtliche Gebührenregelungen, soweit der Bund auch insofern von seinem Gesetzgebungsrecht  "Gebrauch gemacht"  hat. Gebrauch machen in diesem Sinne bedeutet den Erlass gesetzlicher Vorschriften, die selbst materiell - gegebenenfalls auch durch die Bestimmung, dass gewisse Teilbereiche ungeregelt bleiben sollen - die entsprechende Gesetzesmaterie gestalten (BVerfGE 34, 9 [28]). Ob eine die Sperrwirkung auslösende inhaltliche Regelung durch Bundesgesetz anzunehmen ist, hängt davon ab ob die bundesrechtliche Vorschrift die Materie abschließend und erschöpfend regelt. Dabei ist - wenn es an einer ausdrücklichen Aussage des Bundesgesetzgebers fehlt - eine Gesamtwürdigung des betreffenden Normenbereichs vorzunehmen (BVerfGE 67, 299 [324]; 49, 343 [358]). Bloße Motive sowie Wert- und Zielvorstellungen des Bundesgesetzgebers sind jedenfalls solange sie nicht in eindeutigen positiven oder negativen gesetzlichen Regelungen Ausdruck gefunden haben - unerheblich (BVerfGE 49, 343 [358f.]); ob insoweit der vom Bundesverfassungsgericht neuerdings entwickelte Grundsatz der Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung (BVerfGE 98, 106 [109]) eine andere Beurteilung gebietet, bedarf aus Anlass des vorliegenden Falles keiner Entscheidung. Hat der Bund in diesem Sinne eine gesetzliche Regelung erlassen, können Länder nur noch Lücken ausfüllen, nicht jedoch als unzulänglich empfundene Vorschriften nachbessern (Peine, N\VVBI. 1988,193 [195]).

c) § 52 Abs.4 BImSchG enthält entgegen der Auffassung der Revision und des Oberbundesanwalts keine negative oder positive Aussage zur Erhebung von Verwaltungsgebühren. Er verdrängt damit die den Ländern in Ausgestaltung des Verwaltungsverfahrens - wie dargelegt - grundsätzlich zukommende Zuständigkeit für Gebührenregelungen nicht. Ist nämlich eine bundesrechtliche Norm nicht eindeutig abschließend ausgestaltet, so verbleibt es im Zweifel bei der grundsätzlichen Kompetenz der Länder zur Regelung von Verwaltungsgebühren für die Tätigkeit ihrer eigenen Behörden und zur Deckung ihres eigenen Verwaltungsaufwands. Denn § 52 Abs.4 BImSchG enthält von vornherein nur Aussagen darüber, wer bestimmte Auslagen in Zusammenhang mit bestimmten Überwachungsmaßnahmen zu tragen hat.

aa) Der Wortlaut der Vorschrift ist mehrdeutig. Unter dem Begriff ,Kosten« werden zwar im allgemeinen Auslagen und Gebühren zusammengefasst (vgl. § 1 Abs. 1 VwKostG); vom Sprachgehalt her ist aber auch die Beschränkung auf entstandene Aufwendungen im Sinne von Auslagen, also Kosten für die Beauftragung Dritter oder die Benutzung bestimmter Materialien, denkbar. So ist es beispielsweise zu § 30 BImSchG unstreitig, dass der dort verwendete Kostenbegriff im untechnischen Sinne zu verstehen ist und nur Aufwendungen, also Auslagen in dem beschriebenen Sinne, umfasst, zumal dort der Aufwand des Anlagenbetreibers angesprochen ist (vgl. Lechelt, in: GK- BImSchG, § 30 Rdnrn.29 und 40; Jarass, BImSchG, 4.Aufl., § 30 Rdnr. 1; Landmann/Rohmer/Hansmann, Umweltrecht, Bd. 1, BImSchG, § 30 Rdnr. 5; Feldhaus, Bundesimmissionsschutzrecht, Bd. I, BImSchG, § 30 Anm. 3).

bb) Bei gesetzessystematischer Betrachtung liegt jedoch eine Auslegung im Sinne der Beschränkung auf Auslagen bzw. Aufwendungen näher. Hierfür spricht bereits der Vergleich mit anderen bundesrechtlichen Materien, die - wie hier - die Verwaltung durch Landesbehörden gemäß Art. 83f. GG vorsehen, ihre Kostenvorschriften aber ausdrücklich auf Gebühren - z. B. durch Kammerdefinitionen - erstreckt haben (vgl. § 21 Abs. 1 AtG, §  47 Abs. 1 WaStrG, § 24 Abs.1 GenTG). Die Systematik des Bundesimmissionsschutzgesetzes selbst bestätigt dieses Ergebnis. Der Gesetzgeber des Bundesimmissionsschutzgesetzes war sich nämlich - wie die besondere Erwähnung von, Gebühren" neben den Auslagen in § 33 Abs. 1 Nr. 4 und die dortige detaillierte Vorgabe für ihre Bemessung zeigt - der unterschiedlichen Terminologie durchaus bewusst. Schließlich legt auch der Regelungsgegenstand des § 52 Abs.4 BImSchG die Einbeziehung der Verwaltungsgebühren in den dortigen Kostenbegriff nicht nahe. Es ist dort nämlich von den Kosten, die durch Prüfungen im Rahmen des Genehmigungsverfahrens (Satz 1), von Kosten, die bei der Entnahme von Stichproben und deren Untersuchung entstehen (Satz 2), und von Kosten, die durch sonstige Überwachungsmaßnahmen nach Abs. 2 oder 3 entstehen, die Rede. Dies schließt zwar die Einbeziehung des durch Verwaltungsgebühren abgegoltenen behördlichen Personal- und Sachaufwands nicht zwingend aus, zielt aber in erster Linie auf die „durch" bzw. „bei" diesen Maßnahmen entstandenen Auslagen. Dementsprechend versteht die Literatur die Kostenverteilungsregelung des § 52 Abs.4 BImSchG überwiegend in diesem eingeschränkten, Verwaltungsgebührenregelungen nicht enthaltenden und deshalb Landesgebührenrecht nicht verdrängenden Sinne (Schmatz/Nöthlichs, Immissionsschutz, § 27 BlmSchG Anm. 9, § 52 BlmSchG Anm. 13; Jarass, aaO, § 52 Rdnrn. 26 und 29; Lechelt, aaO, § 52 Rdnr. 230; Landmann/Rohmer/Hansmann, aaO, § 52 Rdnr. 85). ...

Dass § 1 Abs. 1 VwKostG für seinen Regelungsbereich die Gebühren in den Kostenbegriff einschließt, steht der einengenden Auslegung dieses Begriffs in einem bundesrechtlichen Fachgesetz nicht entgegen, weil der bundesrechtliche Fachgesetzgeber durch das Verwaltungskostengesetz nicht gebunden wird. Das Verwaltungskostengesetz ergänzt vielmehr das Fachgesetz in Fällen der Ausführung von Bundesrecht durch die Länder als eigene Angelegenheit, soweit dieses keine eigenen Regelungen enthält (Urteil vom 3. März 1989 - BVerwG 8 C 11.87 - Buchholz 445.5 § 47 WaStrG Nr. 1 S. 1 [3]); ein Fall der unmittelbaren Geltung des Verwaltungskostengesetzes gemäß § 1 Abs.2 Satz 1 Nr.2 VwKostG scheidet schon deshalb aus, weil die Länder das Bundesimmissionsschutzgesetz nicht im Auftrag des Bundes (vgl. Art. 85 GG), sondern als eigene Angelegenheit (Art. 83 GG; Jarass, aaO, Einl. Rdnr. 31) ausführen und im übrigen das Verwaltungskostengesetz nur gilt, soweit es durch Bundesgesetz ausdrücklich für anwendbar erklärt wird (§ 1 Abs. 2 Satz 2 VwKostG), was im Bundesimmissionsschutzgesetz nicht geschehen ist.

cc) Der Zweck der Vorschrift erfordert die von der Revision geltend gemachte Einbeziehung der Gebühren in den Kostenbegriff des § 52 Abs. 4 BImSchG ebenfalls nicht. Da es bei den Verwaltungsgebühren um den Personal- und Sachaufwand der Landesbehörden geht, die das Bundesimmissionsschutzgesetz als eigene Angelegenheit ausführen, ist es sach- und zweckgerecht, den Ländern die Entscheidung zu überlassen, ob und in welcher Höhe sie diese Personal- und Sachkosten einfordern wollen. Diese Beschränkung trägt der Verwaltungskompetenz der Länder und ihrer als Annex dazu regelmäßig begründeten Gebührenregelungskompetenz Rechnung.

dd) Die Entstehungsgeschichte nötigt zu keiner anderen Beurteilung. Sie ist zumindest nicht eindeutig im Sinne einer Einbeziehung von Gebühren in den Kostenbegriff des § 52 Abs. 4 BImSchG zu verstehen und kann deshalb -angesichts ihrer ohnehin nur ergänzenden Bedeutung im Rahmen der Auslegung - das bisher gefundene Ergebnis nicht in Frage stellen. (Wird näher ausgeführt.)

d) Die Annahme einer Sperrwirkung (Art. 72 Abs. 1 GG) scheidet daneben aber auch deshalb aus, weil - selbst wenn der Kostenbegriff des § 52 Abs. 4 BImSchG im Sinne der Revision weit zu verstehen sein sollte - die Gebührenpflicht für die Prüfung von Emissionserklärungen dort nicht geregelt und damit die Befugnis der Länder zum Erlass einer Gebührenregelung für derartige Verwaltungstätigkeiten nicht ausgeschlossen ist. § 52 Abs. 4 Satz 3 BImSchG erfasst nämlich nur Kosten von Überwachungsmaßnahmen im Sinne von Abs. 2 oder 3. Darunter fällt die hier zu beurteilende Behördentätigkeit nicht.

aa) § 52 BImSchG regelt die Überwachungstätigkeit der zuständigen Behörden. In § 52 Abs. 1 BImSchG wird nach ganz einhelliger Auffassung die Aufgabe der Überwachungsbehörden umschrieben, während die Absätze 2, 3 und 6 Befugnisnormen darstellen (Mösbauer, NVwZ 1985, 457 [457 und 459]; Jarass, aaO, § 52 Rdnrn.4f.; Lechelt, aaO, § 52 Rdnrn. 61, 63ff.). § 52 Abs.4 Satz 3 BImSchG - die Sätze 1 und 2 sind im vorliegenden Zusammenhang nicht einschlägig - regelt die Kosten sonstiger Überwachungsmaßnahmen nach Abs. 2" (- Abs. 3 kann ebenfalls von vornherein außer Betracht gelassen werden -) und erlegt diese grundsätzlich dem Betreiber auf, wenn nicht der für die Ermittlung von Emissionen u. a. formulierte Ausnahmetatbestand, also die beanstandungsfreie Überprüfung, eingreift. Die Kostenregelung des § 52 Abs. 4 Satz 3 BImSchG knüpft nach ihrem eindeutigen Wortlaut an Überwachungsmaßnahmen im Sinne von § 52 Abs. 2 BImSchG an, d. h., sie setzt als Eingriffsakte zu wertende Maßnahmen voraus (Jarass, aaO, § 52 Rdnrn.4f.), die sich regelmäßig vor Ort, also in der Anlage abspielen. Überwachungsmaßnahmen rein interner Natur, also ohne Eingriffscharakter, die sich innerhalb der Behörde allein mit der Auswertung überlassenen Materials befassen, werden von § 52 Abs.4 Satz3 nicht unmittelbar angesprochen. Derartige interne, "schlichthoheitliche" Maßnahmen ohne Verwaltungsaktscharakter finden ihre Rechtsgrundlage nicht in § 52 Abs. 2 BImSchG, für sie genügt vielmehr die Aufgabennorm des § 52 Abs. 1 BImSchG. § 52 Abs. 1 BImSchG wird von § 52 Abs. 4 BImSchG jedoch nicht in Bezug genommen.

bb) Die Entgegennahme, Prüfung und Auswertung der Emissionserklärung gemäß §27 Abs. 1 BImSchG ist eine solche schlichthoheitliche Behördentätigkeit gemäß § 52 Abs. 1 BImSchG ohne Eingriffscharakter. Sie ist mit keiner Maßnahme nach § 52 Abs. 2 verbunden. Sie erfordert nämlich kein Betreten des Grundstücks (Satz 1) und stellt auch keine Aufforderung zur Erteilung von Auskünften oder zur Vorlage von Unterlagen (Satz 1) dar. Sie ist entgegen der Ansicht der Revision auch keine „Vornahme von Prüfungen" im Sinne von § 52 Abs. 2 Satz 1 BImSchG. - Wie sich aus der Qualifizierung des Abs. 2 als Eingriffsnorm im Unterschied zur Aufgabennorm des Abs. 1 ergibt, sind die in Abs. 2 angesprochenen Überwachungsmaßnahmen durchweg mit grundrechtlich relevanten Eingriffen verbunden. Die Erwähnung der Vornahme von Prüfungen muss deshalb im Zusammenhang mit dem Betretungsrecht in Abs.2 Satz 1 gesehen werden; danach sind mit dieser Formulierung nur Prüfungen und Untersuchungsmaßnahmen im Zusammenhang mit einer Behördentätigkeit vor Ort« in der Anlage bzw. auf dem Grundstück gemeint (Lechelt, aa, § 52 Rdnr. 130). Denn diese gesondert erwähnte Befugnis stellt offenkundig eine die allgemeine Betretungs- und Besichtigungsbefugnis des § 52 Abs. 2 Satz 1 1. und 2. Fall BImSchG erweiternde, gesteigerte Befugnis dar und hat damit nicht bloße behördeninterne Auswertungsarbeiten zum Gegenstand (Mösbauer, VerwArch. Bd. 72 [1981], 17 [25]; vgl. auch Jarass, aaO, § 52 Rdnr. 2 1; Lechelt, aaO, § 52 Rdnr. 130). Erfüllt die behördeninterne Prüfung der Emissionserklärung - wie hier - aber nicht die Merkmale einer Prüfung im Sinne von § 52 Abs.2 BImSchG, so kann sie auch nicht als deren Unterfall - nämlich als "Ermittlung von Emissionen" im Sinne von § 52 Abs. 2 BImSchG – angesehen werden.

cc) Erfasst aber § 52 Abs. 4 Satz 3 i. V. m. §  52 Abs. 2 Satz 1 BImSchG die Verwaltungstätigkeit im Zusammenhang mit der Entgegennahme und Prüfung von Emissionserklärungen nicht, so kann der Landesgesetzgeber gemäß Art. 72 Abs. 1 GG von einer gebührenrechtlichen Regelung dieser Verwaltungstätigkeit nur dann ausgeschlossen sein, wenn § 52 Abs.4 BImSchG sozusagen im Wege "beredten Schweigens" den Inhalt hätte, weitere Kosten als die dort ausdrücklich geregelten dürften von dem Anlagenbetreiber nicht erhoben werden. Für eine solche (ausnahmsweise) Annahme fehlt es aber an den gebotenen deutlichen Hinweisen.